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Manche sagen, er sei pink. Ich würde eher sagen, leuchtend lila. Aber wie dem auch sei: Er fällt auf, lenkt Blicke auf sich und will mit Slogans wie „Es gibt mehr als du glaubst“ oder „Bist du auf der richtigen Spur?“ zum Nachdenken anregen. Die Rede ist von dem Truck, der das Herzstück des Projekts „Spurwechsel“ ist: Ein Kleinlastwagen von Mercedes-Benz, der für das Projekt von außen und innen neu gestaltet wurde und jetzt mit Sitzbänken, Multimediaequipment und einer Außenlounge ausgestattet ist. Dieser Truck wird je nach Bedarf zum Seminarraum, „JugendStraßenWohnzimmer“ oder zum zwar nicht fliegenden, aber immerhin fahrenden Klassenzimmer.

In der dritten Maiwoche fand nun nach langer Vorbereitung endlich die erste Spurwechsel-Woche im CVJM-Parkhotel in Schönebeck statt, das für diese Zeit zur „WohnZone“ wurde: Etwa 15 Teenager, die meisten zwischen 15 und 17 IMG_3635(1)Jahre alt, und ein siebenköpfiges Mitarbeiterteam zogen im Parkhotel ein, um eine Woche lang – neben dem normalen Schul- oder Arbeitsalltag – zusammen zu wohnen und zu erleben, wie Jüngerschaft praktisch aussehen und im Alltag gelebt werden kann. Dass das im „Parkhotel“ stattfand, ist übrigens etwas irreführend: Geschlafen haben wir in Gemeinschaftsquartieren mit Schlafsack und Luftmatratze und nicht etwa in bequemen Hotelzimmern, und auch für die Verpflegung und die Reinigung der Räume war die Gruppe teilweise selbst verantwortlich – denn wer verbringt seinen IMG_3649(0)Alltag schon im Hotel mit Vollpension und Zimmerservice? Und auch wenn vielleicht der ein oder andere Teenager sein Elternhaus als „Hotel Mama“ ansieht, ist so eine Wohnwoche ja eine gute Gelegenheit, etwas Eigenverantwortung zu trainieren.

Aber zurück zum Kernanliegen des Projekts Spurwechsel: Jüngerschaft im Alltag. Wie geht das? Auch wenn auf diese Frage viele verschiedene Antworten gegeben wurden und werden, würde wohl jeder zustimmen, dass das Gebet, das Hören auf Gottes Wort, die Gemeinschaft mit anderen Christen und der praktische Dienst für Gott dabei eine wichtige Rolle spielen. Diese Elemente sollten auch in der Wohnwoche vorkommen, und so bestand unser Wochenplan aus vielen Gebetszeiten (in der Gruppe, in Zweierschaften und allein), geistlichem Input, Austausch- und Diskussionsrunden und einer Reihe von nach außen gerichteten Aktionen, bei denen der Truck zum Einsatz kam: Religionsunterricht am örtlichen Gymnasium, ein Nachmittag mit Spielen, Grillen und Gesprächen vor einem Jugendzentrum, ein Kinoabend (der allerdings nicht im Truck, sondern im Parkhotel stattfand) und ein Straßeneinsatz, bei dem die Teenager verschiedene Möglichkeiten kennen lernen und ausprobieren konnten, wie man mit Passanten ins Gespräch kommen und auf verständliche Weise das Evangelium kommunizieren kann. Da ja neben diesem Programm noch der Schul- oder Arbeitsalltag lief, waren die Tage gut gefüllt und die Nächte kurz. Die Stimmung war trotzdem bis zum Ende sehr gut und hat sich durch die allgemeine Müdigkeit nicht trüben lassen. Gott sei Dank!

Als Fazit der ersten Spurwechselwoche lässt sich festhalten: Teilnehmer und Mitarbeiter haben die Zeit genossen und von ihr profitiert. Die Gemeinschaft untereinander und mit dem Herrn war gesegnet. Die Truck-Aktionen kamen im Großen und Ganzen gut an, auch wenn noch nicht alles perfekt funktioniert hat. Aber dafür ist so eine Pilotwoche ja auch da: Dinge erproben, konstruktive Kritik einholen und sie dann verbessern und weiterentwickeln.

Eine kleine Anekdote zum Schluss: nach Abschluss der Woche musste der Truck wieder an seinen Standort Halle gefahren werden. Der Weg dorthin führte uns über Kopfsteinpflasterstraßen, deren Zustand jeder Beschreibung spottet. Solch holprige Straßenverhältnisse werden nicht besser dadurch, dass man in einem schon etwas älteren und nicht gerade geländegängigen Kleinlaster sitzt, und so wurden wir stark durchgeschüttelt und sahen vor unserem inneren Auge schon die Verwüstung der Inneneinrichtung – Bilder von der Wand gefallen, Schubladen aufgesprungen und deren Inhalt im ganzen Truck verstreut oder ähnliches. Als wir nach der Fahrt die Tür öffneten, sahen wir, dass selbst die Kissen auf den Sitzbänken noch an ihren Plätzen lagen. Ich vermute, über Gottes Gesicht ging ein Schmunzeln.

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