2.Mrz 2018

Wenn Gott ruft.

396TageAuch wenn wir inzwischen schon im 2. Buch Samuel und bei David angekommen sind, wollen wir heute nochmal auf eine sehr interessante Stelle im 1. Buch Samuel zurückblicken:

In Kapitel 3 erfolgt das Wort Gottes zum jungen Samuel, der im Tempel bei Eli aufwächst. Er wird gerufen- Gott selbst ruft. Samuel, bereits im Bett, hört sich gerufen und meldet sich bei Eli mit „Siehe, hier bin ich. Du hast mich gerufen.“ Eli, in meiner Vorstellung etwas irritiert, antwortet mit „Ich habe dich nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen.“ (Vers 5) Gott ruft Samuel nochmals, wieder rennt dieser zu Eli und wieder schickt der  irritierte Eli den Samuel wieder schlafen. Und dann folgt eine Kontexterklärung zu dieser Situation in Vers 7: „Aber Samuel kannte den HERRN noch nicht, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart.“ Man könnte jetzt meinen: Mensch, der lebt doch im Tempel, wie kann er den Herrn nicht kennen und nicht wissen, was es bedeutet?

Nun, ich denke, uns geht es nicht wirklich anders. Bis wir Gott erkennen können, als derjenige, der uns anspricht, der in unser Leben spricht, der uns lebendig macht, brauchen wir eine Offenbarung. Das ist jetzt ein sehr wuchtiges Wort, das wir nicht alltäglich gebrauchen, also was bedeutet es? Offenbarung einmal anders formuliert: Wir sind darauf angewiesen, dass sich Gott uns gegenüber als derjenige, der er ist, zu erkennen gibt, damit wir erkennen können, oder immer mehr erahnen, was es bedeutet, den Schöpfer und Herrn der Welt vor uns zu haben. Und was es für uns, als seine Geschöpfe, als sein Gegenüber und als seine Geliebte bedeutet. Ist ja auch logisch. Lernen wir neue Menschen kennen, wollen wir auch wissen: Wer steckt dahinter? Und um das sehen zu können, erleichtert es den Beziehungsaufbau ungemein, wenn wir Dinge von uns preisgeben. Gott gibt sich preis in seinem Wort, in seinem Reden, seinem Rufen, in dem In-Beziehung-zu-uns-Treten.

Zurück zu Samuel: Nach der Kontexterklärung erfolgt ein dritter Ruf, wieder springt Samuel auf, läuft zu Eli und meldet sich mit „Siehe, hier bin ich. Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben rief.“ (Vers 8) Eli versteht die Situation plötzlich und er rät ihm „Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört.“ (Vers 9) Samuel macht, wie ihm geraten. Und als Gott wieder ruft, antwortet er mit „Rede, denn dein Knecht hört“ (V.10) Wow. Gott spricht an – und bekommt Antwort.

Ich glaube zutiefst, dass Gott heute noch spricht, zu mir, zu dir und zu jedem, der hören will. Übrigens auch zu denen, die nicht hören wollen. Ich glaube, dass er uns an-spricht und auf Antwort wartet. Es ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach, die Stimmen auseinander zu halten. Manchmal fände ich es auch wünschenswert, wenn Gott mich einfach akustisch hörbar anspräche, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Aber ich erlebe, dass Gott viele Kanäle hat, mich anzusprechen- durch sein Wort, seine Natur, andere Menschen, Ratgeber, Mentoren, Fremde, übrigens ganz gleich wie alt sie sind, durch Unvorhergesehenes, durch meine Gedanken, durch „Stimmen in mir“, auch Intuition oder Bauchgefühl genannt. Durch manche Sehnsüchte und Dinge, die mich nicht mehr in Ruhe lassen wollen.

Die entscheidende Frage ist da immer, wie ich finde: lassen wir uns rufen? Erkennen wir in dem Stimmwirrwarr der heutigen lauten und schnellen Zeit die Stimme unseres Herrn? Lassen wir uns rufen? Und wenn ja, wozu? Diese Frage will ich dir stellen, vielleicht magst du sie ja auch beantworten: Hörst du den Ruf Gottes, der dich anspricht? Willst du Ihn hören? Nur für den Fall, dass du jetzt denken solltest: Ja, will ich, aber ich höre nichts! Dann sei getrost: Jesus selbst spricht uns im Johannesevangelium 10,27 eine Zusage, eine Verheißung zu: „Denn meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir.“ Jesus, unser Hirte. Ich mag nicht immer das fitteste Schaf in der Herde sein, auch nicht immer das, das sofort hört, manchmal auch nicht das Hellste, das sofort versteht, aber wie Jesus sagt: Wir hören seine Stimme. Und je öfter wir auf seine Stimme achten, je besser wir sie kennen, umso genauer werden wir sie auch von all den anderen unterscheiden können. Er kennt uns ja, weiß auch, wie er seine einzelnen Schäfchen zu rufen hat. Bei manchen vielleicht beim ersten Mal, andere, wie auch Samuel und ich manchmal, brauchen mehrere Ansprachen. Lassen wir uns von Gott an-sprechen. Uns rufen. Be-rufen. Den Anfang nehmen großartige Geschichten, in denen Gott wirkt und Geschichte schreibt, meist mit Menschen, die mit „Hier bin ich, ich höre zu“ anfangen. Das wünsche ich uns: Lassen wir uns rufen. Be-rufen. Lasst uns zuhören, wenn Gott spricht.

Eure Kati