25.Mai 2018

Ester? Ester!

396Tage_3Vor ein paar Wochen lasen wir viel von der Königin Esther, um nicht zu sagen haben wir  ihre komplette Geschichten gelesen.
Ich muss ehrlich sagen, als ich das erste Mal von ihr las, wusste ich nicht so wirklich, was ich von ihr halten sollte. Ich fand sie ja nicht so berauschend und besonders. Die Leute, mit denen ich mich über sie unterhalten habe, fanden sie schrecklich mutig und mega klasse und überhaupt hatten sie einen großen Respekt vor ihr. Das konnte ich auch nicht nachvollziehen. Für mich war die Frage: Was hat sie denn tolles gekonnt und mutiges gemacht?

Was sie am besten konnte, und weshalb sie auch Königin wurde, war ja im Prinzip ihre Schönheit. Schönheit ist für mich kein Talent oder irgendwas, was jetzt ein besonderes Kriterium wäre, um jemanden als Vorbild oder als Königin zu wollen, da war ihre Vorgängerin Königin Waschti schon viel besser, und mutig fand ich sie jetzt auch nicht überdurchschnittlich. Ja, sie hat ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um zum König zu gehen, aber ihr Leben war ja ohnehin wegen Hamans geplanten Völkermord bedroht, also wäre sie doch so oder so gestorben, so meine Schlussfolgerung.

Alles in allem konnte ich mit dem Buch Ester nicht viel anfangen und war ratlos.

Ich fing an, mehr zur Königin Ester zu recherchieren, um herauszufinden, was andere über sie denken. Da fand ich einige interessante Dinge. Zum Beispiel, dass in der Geschichte Gott eigentlich gar nicht vorkommt. Er zieht hier die Strippen nur im Hintergrund und das jüdische Volk, dessen Existenz bedroht ist, muss auf ihn vertrauen, auch wenn er vordergründig gerade gar nicht zu bemerken ist. So auch Esther, als sie mit den sehr abgebrühten Worten: „Komme ich um, so komme ich um“ (Ester 4, 16) doch zum König ging, was einem Selbstmord schon sehr nahe kam, weil jeder, der den König einfach so störte, das Todesurteil bekam, wenn der König nicht doch hören wollte, warum ihn jemand störte. Sie musste darauf vertrauen, dass Gott da einen Plan hat, auch wenn er ihn nicht vorher laut rausschreit und sie in den Plan einweiht. Sie ging zum König, um für ihr Volk, das jüdische Volk, zu bitten, dass sie doch nicht ausgelöscht werden, und setzte dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Jesus, der tausend Jahre oder so später lebte, sagte mal: „Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden“ (Mt, 16,25).

Ester muss darauf vertrauen, dass zum einen Gott sich etwas dabei gedacht hat, dass gerade sie, ein einfaches jüdisches Mädchen, ohne überlieferte große Fähigkeiten, außer Gottes Geschenk einer übermäßigen Schönheit, persische Königin geworden ist. So ist sie in die Position gekommen, ihr Leben für ihr Volk aufs Spiel zu setzen und mit ihrer eventuellen königlichen Gunst etwas zu bewegen, und dabei nicht von Gott allein gelassen zu werden.

Und dann kommt die krasse Aussage des Textes, die ich endlich doch gefunden habe: Sie macht es einfach, vertraut auf Gottes Schutz- und gewinnt alles, auch wenn die Chancen nicht gut standen.

Eure Marlene