31.Aug 2018

Ein verzweifelter Gott

396Tage_5Nach den Klageliedern der letzten Woche folgt nun die Geschichte von Hesekiel. Hesekiel wird als Bote Gottes und als Wächter über Israel berufen. Wächter waren von Gott eingesetzte Propheten, die die Aufgabe hatten, auf Gottes Volk aufzupassen. Sie sollten Israel vor Sünde und Götzendienst warnen und sie zur Umkehr aufrufen. Sünde ist alles, was uns von Gott trennt: z.B. die Auflehnung gegen Gott, bewusster Ungehorsam oder das Anbeten anderer Götter. Und zu der Zeit von Hesekiel tat das Volk Israel alle diese Sachen: sie dienten den Göttern anderer Völker, sie hielten sich nicht an Gottes Gebote, sie waren selbstgefällig und egoistisch. Ihre Obersten haben ungestraft gemordet und die Gassen mit leblosen Körpern gefüllt. Das Volk Israel hatte sich komplett von Gott entfernt. Doch Gott ist das nicht egal. Im Gegenteil. Er ist richtig sauer auf Israel, dass dieses „widerspenstige Volk“ es wieder und wieder nicht kapiert und nur noch tiefer in sein Verderben läuft. Denn wer sich von Gott abwendet, kann nicht gerettet werden und wird untergehen.Und eben das möchte

Gott nicht und schickt Hesekiel nach Jerusalem. Er soll durch mehrere Bilder und Gleichnisse die Israeliten warnen und ihnen zeigen, was passiert, wenn sie so weiter machen wie bisher. Hesekiel bekommt da augenscheinlich ganz verrückte Aufträge, wie er davor warnen soll. Und diese Aktionen dauern auch echt lang. Ich meine, er soll da insgesamt 430 Tage auf der Erde liegen und auf Jerusalem zeigen. 430 Tage, das ist über ein ganzes Jahr. So viel Geduld hätte ich ja nicht, wenn ich wütend bin. Da wird normalerweise nicht lang gefackelt, sondern sofort reagiert, jemand angezickt oder angeschrien.

Doch Gott hat da einen enorm langen Atem und eine extreme Geduld mit uns Menschen. Ich finde, das einfach krass. Denn genau durch diese lange Zeit und die vielen Versuche, die Menschen zum Umdenken zu bringen, wird klar, wie sehr Gott das alles schmerzt. Und wie sehr er uns liebt. Denn trotz aller zorniger Reden und Ankündigungen der Zerstörung stecken Gottes Worte voller Leidenschaft und Verzweiflung. Ja, er ist verzweifelt, weil er uns so sehr liebt. Und er sehnt sich danach, mit uns Gemeinschaft zu haben. Gott ringt um jeden Einzelnen, um ihm seine Liebe zu zeigen. Und so lässt er auch Hesekiel über ein Jahr lang Botschaften überbringen, damit auch jede und jeder in Jerusalem davon gehört hat.

Gott ist kein Gott der Rache und der Bestrafung. Er hat keine Freude daran, sich irgendwelche Untergangsszenarien auszudenken. Viel eher läuft er hinter uns her und schickt uns beständig Botschaften und Wegweiser. Und auch wenn wir es manchmal nicht direkt checken: Gott ist geduldig, er liebt uns wahnsinnig und gibt uns nicht auf.

Amen.

Eure Tabea