13.Jul 2018

Alles hat seine Zeit

396Tage_4Ich muss ehrlich zugeben, dass die Textstellen im Prediger recht schwer für mich zu lesen waren. Alles ist so negativ beschrieben. Was hat das Leben überhaupt für einen Sinn? Wieso bemühen wir uns, wenn doch eh alles nichtig ist? Das hat mir richtig die Stimmung verdorben. Gerade, weil ich zurzeit in der Abschlussphase meines Studiums bin und einfach mega viel zu tun habe. Täglich sitze ich am Rechner, recherchiere, analysiere, entwickle und schreibe an meiner Bachelorarbeit und den letzten Prüfungsleistungen. Und dann zu hören, dass eigentlich alles egal und nichtig ist, war mir in diesem Moment zu viel. Ich habe die Bibel erst einmal wieder zugeklappt, laute und fröhliche Musik angemacht und ein bisschen vor mich hingesungen und getanzt.

Am nächsten Tag habe ich die Bibel dann wieder aufgeschlagen und lese in Kapitel 3: „Alles hat seine Zeit. Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit“. Na super. Im Moment hat irgendwie nur mein Studium was von meiner Zeit. Wenn ich den ganzen Tag in der Bibliothek sitze, bin ich am Abend zu müde, um noch etwas mit Freunden zu unternehmen. Beim Bibellesen schlafe ich ein und am Wochenende bleibe ich lieber im Bett liegen anstatt zu einem Konzert zu gehen oder eine Runde mit dem Fahrrad zu fahren. Wann kommt denn die Zeit der Entspannung und die Zeit für mich wieder? Und dann bin ich auch noch krank geworden und diese doofe Erkältung nimmt mir noch mehr von meiner kostbaren Zeit weg!

Doch die weiteren Verse hatten wirklich eine beruhigende Wirkung auf mich. „Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit; […]“. Alle Aspekte des Lebens, unabhängig davon, ob sie als positiv oder negativ bewertet werden, gehören mit dazu. Alles hat seine Zeit und findet somit ein Gleichgewicht. Auch, wenn es gerade etwas stressig ist und viel von mir verlangt wird, wird es auch wieder eine andere Zeit geben. Die Verse zeigen mir auch, dass alle Phasen, aber auch alle Emotionen gleichberechtigt sind und das Leben, das Gott uns geschenkt hat, in seiner ganzen Fülle ausmachen. Allein diese Aussage lässt mich entspannen und leichter mit der momentanen Situation umgehen.

Doch es geht noch weiter. In Vers 11 steht: „[Gott] hat alles vortrefflich gemacht zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit hat er [den Menschen] ins Herz gelegt – nur dass der Mensch das Werk, das Gott getan hat, nicht von Anfang bis zu Ende ergründen kann“. 1. Bedeutet dies, dass Gott der Herr über unsere Zeit ist, sich etwas dabei gedacht hat und wir es einfach nur nicht komplett verstehen. Meistens fällt uns ja erst im Nachhinein auf, dass eine Krise doch etwas Gutes hervorgebracht hat. Und 2., dass er eine tiefe Sehnsucht nach der Ewigkeit und nach ihm in unsere Herzen gelegt hat und doch nicht alles sinnlos ist. Denn in Vers 14 heißt es weiter, dass „alles, was Gott tut, für ewig ist“. Nach den vorherigen Kapiteln, wo alles für nichtig erklärt wurde, sticht dieser Satz heraus und bezeugt, dass Gottes Werke Bestand haben werden. Wenn wir unsere Zeit in Gottes Hände geben und uns von ihm für seine Pläne und Werke gebrauchen lassen, bauen wir am Reich Gottes. Dann sind unsere Mühen nicht umsonst, sondern für die Ewigkeit! Was für eine Motivation! Was für ein Antrieb! Da lässt sich meine Bachelorarbeit doch gleich viel leichter schreiben.

Ich wünsche euch, dass ihr in allen Aspekten des Lebens Gottes Wirken erkennt und euch von ihm getragen wisst. Seid euch sicher, dass seine Werke Bestand haben und er uns dafür gebrauchen möchte. Lasst uns gemeinsam an der Ewigkeit bauen!

Eure Tabea