24.Aug 2018

Vom Klagen und Verstehen

396Tage_5Die Schule ist nun schon wieder voll in Gange. Für den einen ein Grund zur Freude, für den anderen ein Grund zu klagen. Passend dazu lesen wir heute in der Bibel im Buch der Klagelieder .

Wie kaum ein anderes Buch der Bibel bringen die Klagelieder das Elend eines zerstörten Volkes zum Ausdruck. Jerusalem ist gefallen. Wer noch lebt, ist in babylonischer Gefangenschaft. Die Texte beschreiben den totalen Verlust. Im Hebräischen heißt das Buch einfach nur „Ach!“, was den Inhalt dieser Totenklage genau trifft.

Insgesamt gibt es 5 Klagelieder. Alle bringen das Leid und Klagen zum Ausdruck. Alle bis auf eins. Genau in der Mitte erscheint ein Hoffnungsschimmer. Nach vielen Zeilen der Klage sagt Jeremia:

Dennoch will ich mir dies zu Herzen nehmen, das will ich hoffen: Die Gnade des Herrn nimmt kein Ende! Sein Erbarmen hört nie auf!“ (Klagelieder 3,21-22 NLB)

Boooooooom. So steht es geschrieben! Ein ähnliches Phänomen konnten wir schon bei einigen Psalmen feststellen: verseweises Klagen und dann Sätze der Hoffnung und des Lobpreises.

Jeremia sagt sozusagen: „Nur weil ganz Jerusalem gefallen ist und alle Überlebenden meines Volkes gefangen sind, ist das lange kein Grund, nicht mehr auf Gott zu hoffen. Seine Gnade ist größer als all das Leid. Er wird mich retten.“ Das zeugt von tiefstem Vertrauen. Im ganzen Buch des Propheten Jeremia kündigt Gott bereits das Unheil an und gibt dem Volk immer wieder die Möglichkeit, zu ihm umzukehren, womit das Unheil verhindert wäre. Jeremia erinnert sich daran. Er vertraut auf die Zusage Gottes, dass er sein Volk nicht vergessen hat, dass er es befreien wird. Ich finde es ganz stark, wenn man in aussichtslosen Situationen, die ungerecht, sinnlos und belastend erscheinen, die Hoffnung und das Vertrauen nicht aufgibt. Wenn man sich nach Versen der Anklage immer wieder daran erinnert, dass Gott größer ist als unser Verstand, dass er größer ist als wir es sind und dass er einen Plan hat.

Ich klage Gott auch manchmal an. Wie im Buch der Klagelieder „kotze“ ich mich ordentlich aus. Darf ich das? Ich denke schon. Gott sieht mein Herz sowieso und weiß, was darin vorgeht. Ich halte es sogar für außerordentlich wichtig, sich bei Gott „auszukotzen“. Wenn ich das bei anderen Menschen machen kann, dann bei Gott erst recht! Beziehung bedeutet auch Streit. Wenn ich eine Beziehung mit dem allmächtigen Gott eingehe, darf ich mich auch mit ihm streiten.

Aber: In schwierigen Situationen „kotze“ ich mich zwar bei Gott aus, aber viel wichtiger noch, ich komme zu ihm. Ein Theologe sagte mal „Ab Windstärke 10 gibt es keine Atheisten mehr.“ Leid und Schmerz können helfen, wieder nach Gott zu fragen und ihn zu finden. Wo wir am Ende sind, da fängt Gott erst an! Ich sage dann immer zu Gott: „Nur weil ich dir manchmal Dinge an den Kopf knalle, heißt das noch lange nicht, dass ich dich nicht mehr liebe und dir nicht mehr vertraue.“ Ganz im Gegenteil. Ich muss vertrauen und auf Gott hoffen, denn es gibt keinen anderen Ausweg.

Später sagt Jeremia noch: „Lasst uns unser Verhalten überprüfen und wieder zum Herrn umkehren. Lasst uns unsere Herzen und Hände zu Gott im Himmel erheben. Wir, wir haben gesündigt und uns gegen dich aufgelehnt, darum hast du uns nicht vergeben.“ (Klagelieder 3,40-42 NLB)

Das Angebot steht IMMER: Wir können jederzeit umkehren und um Vergebung bitten. Egal wie groß das Problem sein mag, Gott ist größer. Egal wie klein das Problem auch sein mag, für Gott ist nichts zu unwichtig.

Befindest du dich vielleicht gerade in einer Situation, wo du Gott am liebsten anklagen würdest? Dann rede doch mal mit Gott darüber. Er wird es ertragen, dir zuhören und ganz verrückt: dich verstehen!

Einen gesegneten Tag wünscht dir

Martin